† Gina †

Gina war unsere erste Hündin. Nachdem wir unser Haus fertig gebaut hatten, sollte endlich auch ein Hund in unsere Familie kommen. Da wir zwei Söhne hatten, sollte es dann eine Hündin werden – weibliche Verstärkung für mich, sozusagen. 😉

Gina kam von einer Vermehrerin aus ganz erbärmlichen Verhältnissen. Ihre Mutter soll sogar andere Welpen gefressen haben, wurde uns später mal erzählt. Wir wissen es nicht, aber schön war es dort, wo sie herkam, ganz gewiss nicht. Gina´s Geschichte habe ich nachfolgend in einem Abschiedsbrief festgehalten:

Abschied von Gina

Am 08. Oktober 2012 um 13.27 Uhr ist unsere Gina, diese großartige Hündin, ohne Hilfe von einem Tierarzt in unserem Beisein eingeschlafen. Sie wurde genau 12 Jahre, 6 Monate und 16 Tage alt.

Am Samstag, den 29.09. sind wir mit ihr noch einmal an die Ostsee in den Urlaub gefahren. Obwohl sie in der letzten Zeit immer schlechter laufen konnte, haben wir noch nicht so schnell damit gerechnet, sie zu verlieren. Beim Aufstehen mussten wir ihr zwar immer mehr helfen. Aber sie war so fit im Kopf, dass es eine reine Freude war, sie zu beobachten. Wir kauften ihr für den Urlaub einen Fahrradanhänger, den man auch zum Jogger umbauen konnte. So konnte sie immer mit uns bei allem dabei sein. Wir genossen diese letzte Zeit mit ihr sehr.

Ohne dass wir es wussten, hat sie dann am Mittwoch, den 03.10.2012,  während eines Waldspaziergangs ihre letzten Schritte alleine gemacht. Ab Donnerstag mussten wir ihr dann immer helfen beim Laufen. Am Freitag, den 5.10., hatten wir noch einen Termin in Lübeck, bei Tamme Hanken dem Knochenbrecher, dem XXL-Ostfriesen. Wir hatten gehofft, dass er bei Gina noch irgendetwas richten kann. Er sagte uns, dass in ihren Hinterbeinen keinerlei Energie mehr fließt. Und er könnte sie nicht mehr zum Fließen bringen. Er meinte, innerhalb von 1 – 2 Wochen würde sie von Tag zu Tag schwächer werden und daher sollten wir ihr vorher beim Einschlafen helfen, damit sie nicht leiden muss. Er staunte über ihr Alter, weil sie noch nicht so alt aussehen würde. Er war sehr rührend, aber das, was er zu sagen hatte, wollten wir gar nicht hören und konnten es erst recht nicht glauben.

Wir fuhren dann spät von Lübeck wieder zurück auf unseren Campingplatz und dann gleich am nächsten Tag nach Hause. Gina ging es eigentlich ganz gut, wenn man davon absieht, dass sie zum Lösen nun immer Hilfe brauchte.

Am Montag wollten wir dann gleich zu unserer Tierärztin, die nur am Nachmittag geöffnet hatte. Ich ging früh zur Arbeit, da ging es Gina noch unverändert, so dass ich nichts bemerkte. Andreas hatte Urlaub, Nico hatte noch Ferien. Um kurz nach 12.00 Uhr rief Andreas mich dann an. Er glaubte, Gina liegt im Sterben. Zum Glück durfte ich gehen und war dann gegen 12.30 Uhr zu Hause. Gina lag auf ihrem allerliebsten Lieblingsplatz und hatte anscheinend keinerlei Schmerzen. Ich sprach mit ihr und sagte, dass sie gehen darf, wenn sie keine Kraft mehr hat und noch vieles mehr. Wir überlegten dann, ob wir sie ins Auto legen und zu einem anderen Tierarzt fahren oder aber einen kommen lassen sollten. Aber ich hatte das Gefühl, Gina würde das nicht wollen. Ich rief dann lieber meine Tierkommunikatorin Heidegund Leithe an und fragte sie, was Gina sich wünscht. Sie bestätigte dann das, was ich auch im Gefühl hatte: Gina möchte es alleine schaffen. Ich hatte also Recht mit meinem Bauchgefühl, aber ich hatte auch Angst, dass sich alles noch sehr lange hinziehen könnte. Meine Tierkommunikatorin versprach noch, dass sie Gina helfen würde und ihr die passende Energie schickt.

Nach dem Gespräch überlegte ich, wie ich Gina noch helfen könnte. Ich zündete also 6 Kerzen an (man braucht mindestens 6 Kerzenflammen, um negative Energien verbrennen zu können) und stellte mir vor, dass die Luft gereinigt werden würde. Plötzlich fing meine Maus an, anders zu atmen. Andreas hatte sich schon zu uns gesetzt. Wir riefen Nico, sagten ihm aber, dass er nicht kommen braucht, wenn er es nicht wollte. Den Abschied so nah mitzuerleben, ist ja doch ein einschneidendes Erlebnis, und Gina war ja schon so lange an seiner Seite. Er konnte sich an die Zeit davor ja gar nicht erinnern! Doch er setzte sich ebenfalls zu Gina. Bis auf unseren großen Sohn, der ja schon ausgezogen war, waren wir nun alle bei unserer Maus. Nur kurz nach dem Telefonat und dem Anzünden der Kerzen, um 13.27 Uhr, nahm unsere geliebte Gina dann ihren letzten Atemzug. Es zerriss mir fast das Herz…

Sie starb so, wie sie es sich gewünscht hatte. Zu Hause, nur mit den Menschen, denen sie vollkommen vertraute. Das ist sehr tröstend für mich zu wissen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sie es genau so geplant hatte.

Gina war eine so clevere Hündin, die von der ersten Stunde ihrer Geburt an wahrscheinlich eine Kämpferin war. Wir bekamen sie mit fast einem Jahr als ängstliches Wrack und mussten lange an ihr und an uns arbeiten, damit sie ihre Angst in den Griff bekommt. Manchmal sehe ich ängstliche Hunde im Fernsehen. Und wenn dann gesagt wird – totaaal ängstlich, ganz schlimm – dann ist das nichts im Vergleich zu dem, was Gina anfangs war. In meinem Artikel: „Wie wir zu unseren Hunden kamen“ habe ich dazu mehr geschrieben.

Ein richtiger Schlag traf uns dann, als sie mit 4 Jahren einen bösartigen Tumor bekam. Sie war inzwischen so weit gekommen und nun das! Aber sie hat es geschafft. Wir stellten das Futter auf Barf um – Rohkost-Fütterung. Der Tumor kam (vielleicht auch wegen unserer Futterumstellung) nicht wieder. Mit 6 hatte sie dann einen Bandscheibenvorfall und auch da hatten wir Angst, sie zu verlieren. Doch auch das hat sie geschafft, und zwar nur mit Homöopathie, um das Cortison zu vermeiden. Wir haben eine sehr gute Freundin, die uns da mit Nahrungsergänzungsmitteln und noch anderen Sachen sehr geholfen hat. Danach sagte ich immer: „Sie läuft nicht mehr rund, aber sie läuft!“ Niemand hätte wohl geahnt, dass sie 12 ½ Jahre alt werden würde, aber auch das hat sie geschafft. Sie war eben ein ganz besonderer Hund, der mir viel beigebracht hat. Sie war eine große Lehrerin. Eine großartige Seele. Ich vermisse sie sehr. Wir alle vermissen sie sehr. Es gibt so viele schöne Erinnerungen an diese charismatische Hündin. Und Paulchen hatte nicht immer etwas zu lachen, wenn sie ihn wieder einmal ausgetrickst hatte.

Kaum zu glauben, dass ich sie eine Zeit lang nicht leiden konnte, als sie immer wieder Furcht zeigte, wo wir doch so viel Energie aufgewendet hatten, um ihr diese zu nehmen. Unsere Trainerin Susanne sagte mir zu diesem Zeitpunkt: „Finde Dich damit ab, dass sie immer ein ängstlicher Hund bleiben wird. Das bekommst Du niemals ganz raus.“ Und genau das tat ich dann. Ich fand mich damit ab. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Beziehung zu Gina immer inniger, bis zu einem ganz bestimmten Ereignis…

Wir waren mit unserer Zughundegruppe mit Hunden und Hundewagen bei einer Trekkingtour unterwegs. An diesem Tag hatten wir nur ein kurzes Stück zurückzulegen. Leider führte uns der Weg durch den Wald. Die Waldwege waren vollkommen aufgewühlt, weil dort kurz zuvor große Maschinen den Sandboden völlig zerfahren hatten. Weil Paulchen und Gina unseren großen Wagen nicht so ohne weiteres durch diesen Zuckersand ziehen konnten, wurde dann Sammy, ein zweiter starker Rüde, zu Paulchen gespannt. Gina wurde dafür vor Sammy´s leichteren Wagen gespannt. Ich führte sie. Wir beide wechselten uns dann ab. Mal zog Gina, mal zog ich. Wir Menschen waren alle schon längst an unsere Grenzen gekommen. Ich war gerade dran mit Ziehen. Und ich konnte nicht mehr. Ich schaute zu Gina und dachte den Tränen nahe: Ich kann nicht mehr, ich kann einfach nicht mehr! Aber ich zog weiter. Plötzlich sah Gina mich intensiv an, so dass es mir kalt den Rücken herunterlief und schmiss sich in die Riemen. Sie zog den Wagen mit aller Kraft!!! Sie hatte mich verstanden!!! In diesem Moment entstand ein Band zwischen uns, das bis heute besteht. Dann kamen mir wirklich die Tränen, aber nicht, weil ich nicht mehr konnte. Noch heute kommt mir die Gänsehaut, wenn ich an diesen Augenblick denke…

Sie wird sich jetzt hinter dem Regenbogen im feuchten Gras auf dem Rücken herumwälzen und einfach nur Hund sein. Sie war so eine super Hündin, auf die man sich immer verlassen konnte. Ihre Angst hat sie vollständig abgelegt. In ihrem Gesicht konnte man aber deutlich sehen, wenn ihr etwas nicht gefiel. Sie hat uns oft zum Lachen gebracht und auch oft zum Staunen. Ich bin sicher, dass es ihr jetzt wirklich gut geht.

In Erinnerung an all die schönen Momente mit Gina lächle ich.

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